Spezialpreis Tanz 2017 - AIEP Avventure in Elicottero Prodotti

Ariella Vidach & Claudio Prati © BAK/Gregory Batardon
Ariella Vidach & Claudio Prati © BAK/Gregory Batardon
Ariella Vidach & Claudio Prati © BAK/Gregory Batardon

AIEP Avventure in Elicottero Prodotti

Spezialpreis Tanz 2017

AIEP sind Pioniere für Tanz in Verbindung mit digitalen Technologien und eine Institution im Tessin. Bereits 1988 gründeten Claudio Prati und Ariella Vidach in Lugano ein Künstlerkollektiv mit dem kaum zu memorierenden Namen, der wörtlich übersetzt heissen würde: «Abenteuer mit Helikopterprodukten». Die 1980er Jahre waren dank Videotechnik und Musikclips geprägt von multimedialen Produktionen. AIEP entstand aus einem solchen interdisziplinären Interesse. Ziel war es neue Technologien im zeitgenössischen Tanz zu erforschen. Claudio Prati, geboren 1954 in Bern, absolvierte ein Gymnastik- und Sportstudium an der ETH in Zürich, lernte Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti di Brera sowie Pantomime am Piccolo Theater in Mailand. Von 1986 bis 1988 lebte er in New York, wo er Videokunst und Mixed Media an der New York University und Contact Improvisation am Movement Research Centre und PS 122 studierte. Ariella Vidach, geboren 1956 in Umag (Jugoslawien), tanzte von 1980 bis 1989 in New York. Beeinflusst vom postmodernen Tanz, von Trisha Brown, Steve Paxton und Bill T. Jones, begann sie 1982 eigene Arbeiten zu realisieren. 1996 gründeten die beiden in Mailand die Ariella Vidach – AIEP Tanzcompany. 2013 gewannen sie den World Summit Award in Colombo, Sri Lanka. Diesen von der UN initiierten Preis erhielten sie für das interaktive System INaxys, das als eines der innovativsten für den Tanz entwickelten Produkte gewürdigt wurde.   

 

«EXP» (1996) war eine ihrer ersten interaktiven Choreographien. Mit der VR-Technik Mandala System interagierten die Tänzerinnen und Tänzer mittels zweier Kameras mit visuellen Zeichen, die auf Leinwänden sichtbar wurden. Auch die von Franz Treichler entwickelte Klangkomposition entstand live aus dem Zusammenspiel mit den Tanzenden. Bis heute entstanden rund 20 weitere Choreographien, die die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine in verschiedenen Motion-Capture-Verfahren und interaktiven Techniken erproben, zuletzt «VOCset» (2014) oder «HABITdata» (2016). Im gleichen Jahr entstand «Temporaneo Tempobeat», in der mittels der Software MAX Stimme und Ton ähnlich einer Beat Box zum interaktiven Bewegungserlebnis werden. Das Engagement von AIEP im Tessin und in der Lombardei geht noch weiter: Sie pflegen auch ein Studio in Mailand, wo junge Menschen an ihren technischen Entwicklungen teilhaben können und engagieren sich immer wieder dafür, dass die darstellenden Künste und die Kultur bei der Tessiner Politik einen höheren Stellenwert erhält.

Tiziana Conte, Jurymitglied:

«Seit über dreissig Jahren fliegen die beiden Künstler-Piloten Ariella Vidach und Claudio Prati mit virtuellen Helikoptern durch den Himmel und überqueren die Grenzen zwischen Kunst und interaktiven Medien. Seit dem Beginn ihrer Partnerschaft und der Gründung von AIEP (Avventure in Elicottero Prodotti) werden sie von einer hartnäckigen Leidenschaft und Pioniergeist angetrieben. Sie beteiligten und beteiligen sich auch heute noch an Experimenten an der Schnittstelle zwischen Tanz und Medienkunst, ohne dabei die Persönlichkeit der Tänzerinnen und Tänzer zu vernachlässigen. Ihr unermüdliches künstlerisches und persönliches Engagement in der Kulturvermittlung und Ausbildung trug wesentlich zur Entwicklung der darstellenden Künste in der italienischen Schweiz und Italien bei.»