Herausragende Tänzerin 2017

Marthe Krummenacher © BAK/Gregory Batardon
Marthe Krummenacher © BAK/Gregory Batardon
Marthe Krummenacher © BAK/Gregory Batardon

Marthe Krummenacher

Herausragende Tänzerin 2017 

Marthe Krummenacher, geboren 1981 in Southfield, Michigan, absolvierte von 1992 bis 2000 die École de Danse – Ballet Junior in Genf in klassischem und zeitgenössischem Tanz. Anschliessend trat sie in Den Haag der Nachwuchsgruppe des Nederlands Dans Theater NDT2 unter Jiří Kylián bei, in der sie bis 2003 blieb und unter anderem Stücke von Kylián, Paul Lightfoot oder Hans van Manen tanzte. Anschliessend war sie von 2004 bis 2007 Teil der Forsythe Company unter William Forsythe in Frankfurt. Wieder zurück in Genf arbeitet sie seither als freie Tänzerin in verschiedenen Projekten, unter anderem mit Noemi Lapzeson, Cindy van Acker, Pierre Pontvianne oder Perrine Valli. Zudem gibt sie Kurse in Improvisation an der École de danse in Genf. 

 

Nach einigen Jahren als Tänzerin in Compagnien begann sich Marthe Krummenacher mehr für die künstlerische Kreation zu interessieren. Sie studierte die japanische Kampfkunst Budō und setzte sich dabei stark mit dem Verhältnis von Körper und Geist auseinander – diese Reflexionen fliessen seither in ihre künstlerische Arbeit ein. Zusammen mit Raphaële Teicher erarbeitete sie 2010 «RA de MA ré», ein Stück über das Verhältnis von Emotion und Vernunft. Dabei bewegen sich die Körper der beiden Tänzerinnen konstant so nahe aneinander, dass sie beinahe zu einem neuen, grösseren Körper verschmelzen. Im Stück «Pousser les bords du monde» (2012) erforschen die beiden erneut die Körperlichkeit: ihre Körper werden der Vertikalität beraubt, neue Haltungen ausprobiert, in stets neue Bewegungsabläufe transformiert und so neu definiert. Auch mit ihrer Rolle als Tänzerin setzt sie sich konstant auseinander, wie zuletzt im Stück «Laissez-moi danser» (2013) mit Perrine Valli und Tamara Bacci. In Marthe Krummenachers Arbeiten wird das Publikum häufig mit der Bedeutung und den Zuschreibungen des Körpers konfrontiert, die sie kritisch hinterfragt und neu zu definieren versucht. 

 

Brigitta Luisa Merki, Jurymitglied:

«Marthe Krummenacher ist diese wunderbare Tänzerin, die sich auszeichnet durch ihre aussergewöhnliche Sensibilität und Natürlichkeit im tänzerischen Ausdruck und ihre stupende Technik. Man glaubt ihr jede Geste. Ihre Interpretationen verkörpern Poesie, Passion, Schönheit und Virtuosität zugleich. Nach ihren Engagements im Nederlands Dans Theater und bei William Forsythe führte ihre tänzerische Vielseitigkeit sie zurück in die Schweizer Tanzszene, die sie mit ihrer engagierten Persönlichkeit massgeblich bereichert. Ihre natürliche Begabung und ihr künstlerischer Mut wurde aufs Schönste beschrieben von Alexandre Demidoff: Marthe Krummenacher est ce roseau dansant qui résiste à l‘ombre.’»