«inaudible»

Thomas Hauert © BAK/Gregory Batardon
Thomas Hauert © BAK/Gregory Batardon
Thomas Hauert © BAK/Gregory Batardon

«inaudible» ZOO/Thomas Hauert

Aktuelles Tanzschaffen

 

 

Thomas Hauert bleibt in seiner Bewegungsforschung fasziniert von der fruchtbaren Wechselbeziehung zwischen Tanz und Musik. In seinem letzten Stück für sechs Tänzer, inaudible (2016), wählte er als Ausgangspunkt den Begriff «Interpretation» und stellt bereits vorhandene Musikstücke in enge Beziehung zu choreographischen Partituren und strukturierten Improvisationen. Die Tänzer setzen sich beispielsweise mit George Gershwins Concerto en fa und Ludus de Morte Regis des zeitgenössischen Komponisten Mauro Lanza auseinander. Auf seiner unablässigen Suche nach neuen tänzerischen Ansätzen kehrt Hauert das Prinzip des Mickeymousing um, damit die Bewegungen so nahe wie möglich an der Musik bleiben. Das Ergebnis ist eine grossartig dichte und detaillierte Choreographie; ein fesselndes und bewegendes Gewebe, das dem musikalischen Erlebnis eine physische Materialität zu verleihen scheint.

 

2005 erhielt Thomas Hauert den Schweizer Tanz- und Choreografie-Preis der Stiftung Corymbo für «modify». 2013 wurde «From B to B», das er zusammen mit Àngels Margarit/Cia Mudances kreierte, im Rahmen der Schweizer Tanzpreise prämiert. Im gleichen Jahr erhielt er zudem den Tanzpreis seines Heimatkantons Solothurn.

 

Isabelle Fuchs, Jurymitglied:

«Inaudible oder das Zusammentreffen von allgemeinen Tanzgrundlagen und Thomas Hauerts Choreographien: Ein geteilter Raum, in dem die fortwährende Kreativität einer generationenübergreifenden Reihe tanzender Personen in unmöglichen Kostümen, eine organische Gestik mit ansteckender Dynamik, ein blindes Vertrauen in die Ausdrucksfähigkeit des Körpers sowie die sichtbaren Spuren des Arbeitsprozesses voll zur Geltung kommen. Und obwohl dieser instinktive und mit burlesken Elementen durchsetzte Tanz eine fröhliche Verbindung mit der Musik eingeht, so enthüllt er auch ein starkes künstlerisches Credo, indem er den Gruppenzusammenhalt vom Standpunkt der beteiligten Individuen aus hinterfragt. Kurz und gut, ein wahrer Tanz der Gesellschaft.»

ZOO/Thomas Hauert

Thomas Hauert, geboren 1967 im Kanton Solothurn, absolvierte seine Tanzausbildung an der Rotterdamse Dansacademie. Ab 1991 tanzte er bei Anne Teresa de Keersmaekers Compagnie Rosas, David Zambrano und Pierre Droulers, bevor er 1997 in Brüssel seine eigene Gruppe ZOO gründete. Gleich das erste Werk «Cows in Space» (1998) gewann zwei Preise, den Prix d'Auteur und den Prix Jan Fabre für die subversivste Choreografie bei den Rencontres Choréographiques Internationales de Seine St. Denis in Bagnolet. Seither schuf Thomas Hauert mit seiner Compagnie rund 20 Werke. Die Bewegungsprinzipien seiner Compagnie ZOO entwickelten sich zu einer eigenen Lehrmethode. Thomas Hauert unterrichtet regelmässig an den P.A.R.T.S. in Brüssel und ist weltweit für diverse andere Institutionen tätig. 2012/13 hatte er die Valeska-Gert-Gastprofessur für Tanz und Performance am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin inne und seit 2014 leitet er den neuen BA-Studiengang für zeitgenössischen Tanz an der Westschweizer Theaterhochschule La Manufacture in Lausanne.