«Creature»

Gábor Varga © BAK/Gregory Batardon
József Trefeli © BAK/Gregory Batardon
József Trefeli & Gábor Varga © BAK/Gregory Batardon

«Creature» József Trefeli & Gábor Varga

Aktuelles Tanzschaffen

 

 

In «Creature» von 2015 analysieren József Trefeli und Gábor Varga den traditionellen ungarischen Tanz ihrer Kindheit und erfinden ihn neu. Ausgangspunkt des 35minütigen Duos sind Requisiten wie Stäbe, Peitschen, Masken und aussergewöhnliche Kostüme, die sie aus Abfall rezyklierten. Dekonstruierend und rekonstruierend werden diese Gegenstände einem neuen Zweck zugeführt und zu einfachem und dynamischem Leben erweckt – aus Folklore kreieren die beiden Choreografen und Tänzer ‚faux-klore‘. Das Publikum sitzt an vier Seiten um die quadratische ‚Arena‘ und verfolgt rhythmisch geprägte, energievoll witzige Dialoge. Auch die Muttersprache der beiden, ungarisch, kommt in dieser biografischen, ethnografischen und ästhetischen Recherche zum Zuge – um den Exotismus des Folkloretanzes mit der Sprache des zeitgenössischen Tanzes zu konfrontieren und gleichzeitig Verwandtschaften offen zu legen. Ein überraschend singuläres Stück der derzeitigen Schweizer Tanzszene, das selbstironisch frisch unterhält und hinterfragt.

 

Guillaume Guilherme, Jurymitglied:

«Creature ist ein kampflustiges, packendes, ja fast schon bedrohliches Schauspiel. Zwei herumhüpfende Zeremonienmeister diktieren den Rhythmus im Zentrum der Arena und führen das Publikum durch eine Art Ritual. Vorsicht! Es dauert nicht lange, bis die Stöcke und Peitschen lautstark durch die Luft zu fliegen beginnen. Die anhaltende Kraft, die von diesen Instrumenten ausgeht, ist jedoch keineswegs brutal und die übergrossen folkloristischen Kostüme sind nicht ohne Komik. Der Verdienst des Stücks liegt in dieser innovativen Neuinterpretation des ungarischen Volkstanzes. Es inspiriert und motiviert durch seine fantasievolle und epische Eigenschaft, niemals aufzugeben. Die überschäumende Energie fesselt das Publikum, das am Ende genauso atemlos zurückbleibt wie die Hauptdarsteller selbst.»

József Trefeli und Gábor Varga

József Trefeli, 1971 in Australien mit ungarischen Wurzeln geboren, schloss seine Tanzausbildung an der Universität von Melbourne mit einem BA ab. 1996 kam er nach Genf, um bei der Alias Compagnie zu tanzen. Acht Jahre lang kreierte er dort markante Rollen mit einem sehr eigenen, breiten Tanzstil. Ausserdem tanzte er bei weiteren Schweizer Compagnien wie Greffe, Drift, Utilité Publique, Philippe Saire und Da Motus!, bevor er 2005 seine eigene Compagnie gründete. Zusammen mit Gábor Varga entstand 2011 ihr erstes Stück «Jinx 103».

Gabor Varga, 1980 in der Ukraine geboren mit ebenfalls ungarischen Eltern, begann seine Karriere als folkloristischer Tänzer. Er studierte von 1995 bis 2000 an der Talentum International School of Dance and Musical Art in Budapest und wurde anschliessend in die Schule P.A.R.T.S in Brüssel aufgenommen. Während seiner Zeit in Brüssel tanzte er mit vielen namhaften Choreograph*innen wie Anne Teresa de Keersmaeker, David Zambrano, Michèle Anne De Mey, Mette Ingvartsen oder Thomas Hauert. In Genf, wo er heute lebt, tanzt er nicht nur in Compagnien wie Cie Gilles Jobin, Cie Alias und Cie József Trefeli, sondern engagiert sich auch für die Produktion und Promotion künstlerischer Projekte.