Kulturerbe Tanz - Projekte 2016

Projekte 2016

 

Sigurd Leeder

Sigurd Leeder (1902-1981), ein Protagonist des deutschen Ausdruckstanzes, wirkte von 1964 bis 1981 an der «Sigurd Leeder School of Dance» in Herisau, Appenzell. Die Schule, die er zusammen mit Gre-te Müller leitete, hatte eine internationale Ausstrahlung und zog Studierende aus dem In- und Ausland an. Leeder, der zusammen mit Kurt Jooss die Jooss-Leeder-Methode entwickelte, war ein hervorra-gender Tänzer, Lehrer und Spezialist der Bewegungsanalyse. Seit 2012 befindet sich sein Nachlass im Schweizer Tanzarchiv. Die auf tanzhistorische Arbeiten spezialisierte Choreographin und Tanznotatorin Karin Hermes untersucht in internationaler Zusammenarbeit mit der Folkwang-Universität in Essen, dem nationalen Tanzzentrum in Paris und dem Trinity Laban in London anhand von durch Leeder selbst erstellten Tanzpartituren sein tänzerisches Erbe. Sinnhaftigkeit, Ausdruck, Ehrlichkeit und Be-wegungstexturen sowie die tänzerischen Qualitäten der Arbeit von Sigurd Leeder werden aus einer zeitgenössischen Perspektive kritisch hinterfragt. Ziel des Projektes ist es das historische Bewusst-sein für dieses wichtige Erbe zu schärfen und Verbindungen zur zeitgenössischen Kultur herzustellen.

 

« cadanse – catalogue des écrits de la danse »

Dóra Kiss, ausgebildete Tänzerin, die 2013 an der Universität in Genf promovierte und dort an der Musikhochschule lehrt, plant einen Meta-Katalog zum Tanz. Ein ähnlicher Katalog in der Musik (RISM: Internationales Quellenlexikon der Musik) inspirierte sie zu diesem Projekt. Ziel ist zum Tanz veröffent-lichte Texte leichter auffindbar und zugänglich zu machen. Zwei Kategorien stehen im Fokus: Texte, die vor 1800 erschienen und in Schweizer Bibliotheken vorhanden sind, sowie Texte, die ab 1801 in der Schweiz erschienen sind. Da alle Texte mit einem Bezug zum Tanz indexiert werden, wird eine grosse Spannweite und Breite an Themen sichtbar, die mit dem Tanz in der Schweiz in Verbindung stehen. Dieser Katalog wird der erste Online-Katalog sein, der sich ausschliesslich Tanztexten widmet, um so das Lesen, Schreiben und Nachdenken über den Tanz zu fördern. Dies ist insbesondere in Er-gänzung und in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tanzarchiv und bestehenden Bibliotheken sinn-voll, um die in den letzten Jahren entstandene professionelle Ausbildungssituation und den Auf-schwung des Tanzes in der Schweiz zu unterstützen.

© Valerio Morreale

 

Monte DaDa Avantgarde

Die Tanzwissenschaftlerin Mona de Weerdt und der Historiker Andreas Schwab planen ein Handbuch zur Verbindung der Dada-Bewegung und den Wurzeln des modernen Tanzes. Das Buch dokumentiert die drei Symposien:
1. «Tanz im Cabaret Voltaire und auf dem Monte Verità» im September 2014 auf dem Monte Verità, 

2. «Ausdruckstanz und Avantgarde» im Oktober 2015 in Köln

3. «Tanz auf den Dada-Bühnen» im Mai 2016 im Cabaret Voltaire in Zürich.
Diese ästhetische Revolution, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Monte Verità und im Züri-cher Cabaret Voltaire stattfand, wurde bisher noch nicht erforscht. Namhafte Autorinnen und Autoren bearbeiten in interdisziplinärer Perspektive diese nicht nur für die Schweizer Tanzgeschichte so wichti-gen Ereignisse und Verbindungen der Avantgarde von Tanz und Kunst. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit bisher unveröffentlichten Quellen aus den Archiven werden auch künstlerische Werke wie Re-Enactments, Lecture-Performances und installative Werke in den Fokus gerückt. Das reich bebilderte Buch erscheint 2017 im renommierten Schweizer Verlag Scheidegger & Spiess.