Kulturerbe Tanz - Projekte 2012

Projekte 2012

 

Der grosse Schritt

Die Cie Drift realisiert eine «Dokufiction-Performance mit alter Dame» zur verknüpften Geschichte des schweizerischen und deutschen Ausdruckstanzes. Im Zentrum ihres Projekts steht die Zeitzeugin Ulla Kasics, Jahrgang 1926, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit Ruth Berghaus zu den ersten vier Schülerinnen der deutschen Ausdruckstänzerin Gret Palucca zählte. Später studierte sie bei Rosalia Chladek in Wien, war an der Folkwangschule bei Kurt Jooss und traf Mary Wigman und Harald Kreutzberg an den Zürcher Sommerkursen. Kasics hat also viele Pioniere des Ausdruckstanzes noch persönlich gekannt und unterrichtet weiterhin täglich in ihrem Studio in Zürich. Die beiden Choreographen Béatrice Jaccard und Peter Schelling verwenden Zeitdokumente und Fotografien aus Ulla Kasics Fundus, Erzählungen und Interviews. Neben Kasics Interpretationen wird ausserdem eine jüngere Tänzerin die Lücken der Erinnerungen füllen. Am Konzept sind ausserdem der Filmemacher Kaspar Kasics und die Münchner Komponistin Helga Pogatschar beteiligt.
Die Premiere findet am 21. Februar 2014 im Tanzhaus Zürich statt.

Cie Drift Der grosse Schritt, Angela Mainetti © Gerhard Nel


Zwischen Tradition und Erneuerung. Eine Oral History des Schweizer Tanzes

Das Schweizer Tanzarchiv hat zwischen 2013 und 2015 zehn Filminterviews mit Personen durchgeführt, die ihre Tanzausbildung in den Jahren 1940 bis 1960 absolviert haben: Monique Bosshard, Jean Deroc, Marianne Forster, Peter Heubi, Ursula Kasics, Noemi Lapzeson, Fritz Lüdin, Fumi Matsuda, Annemarie Parekh und Evelyn Rigotti. Diese Tänzerinnen und Tänzer, Choreographinnen und Choreographen sowie Pädagoginnen und Pädagogen repräsentieren die Vielfalt und die Entwicklung der Schweizer Tanzszene der Jahre 1960 bis 1980.
Sowohl persönliche Lebenserfahrungen als auch allgemeine Fragen zum Tanz werden in den Filmen erläutert. Sie sind somit ein regelrechtes Sammelbecken unveröffentlichter historischer Quellen und können ab Januar 2016 allesamt inklusive Transkription im Schweizer Tanzarchiv in Lausanne und Zürich konsultiert werden.
Ende 2015 wird ausserdem ein Dokumentarfilm auf DVD erscheinen, der eine Auswahl an Höhepunkten dieser intimen, berührenden, manchmal satirischen und ausnahmslos authentischen Lebenserzählungen zeigt. So werden die Gespräche in gewisser Weise zu einer Geschichte des Schweizer Tanzes verwoben. Weshalb wählt man, zu tanzen? Wie verläuft eine Tanzkarriere? Wie vermittelt man diese Kunst? Mittels Darstellung der sinnbildlichen Lebenswege werden diese grossen Themen behandelt, die zur fundamentalen Frage beitragen: Was bedeutet es, zu tanzen?
Die Filmpremiere wird am 15. November 2015 am Tanzfestival Winterthur in Anwesenheit der Protagonistinnen und Protagonisten sowie des Filmteams stattfinden.
 

Irène Wydler © Schweizer Tanzarchiv


Une histoire de la danse contemporaine en Suisse. Chronique d’une émergence.

Anne Davier, Literaturwissenschaftlerin, Journalistin und Verantwortliche für das Journal de l’adc in Genf sowie Annie Suquet, französische Anthropologin mit Doktorat in zeitgenössischer Kunst und Autorin von Büchern zum Tanz, realisieren eine Publikation zum zeitgenössischen Tanz in der Schweiz. Sie soll die Entwicklung von den Anfängen in den 1980er-Jahren bis heute aufzeigen. Allerdings nicht in einer chronologischen Abfolge, der Blick wird vielmehr aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive auf verschiedene Phänomene gelenkt. In Ergänzung zum Quellenmaterial werden Interviews mit bis zu 15 Hauptakteuren in der ganzen Schweiz geführt. Ausserdem sollen Fotografien zu den «histoires de corps» gemacht werden. Die Forschung entsteht mit Unterstützung der Tanzwissenschaft am Institut für Theaterwissenschaft (ITW) der Universität Bern, der Faculté des Lettres de l’Université de Genève, dem Institute for the Performing Arts and Film (ipf) der ZHdK, dem Schweizer Tanzarchiv und der Stiftung Pro Helvetia. Das Buch soll voraussichtlich im Sommer 2015 in der Reihe des ITW im Zürcher Chronos Verlag zweisprachig erscheinen und je nach finanziellen Kapazitäten durch elektronische Medien wie DVDs oder Websiten begleitet werden.

La Ribot © Steeve Iuncker